Was auf dem Strommarkt falsch lĂ€uft 🚹

Was auf dem Strommarkt falsch lĂ€uft 🚹

Andrew Mack, Energieexperte und CEO von Octopus Energy Germany erklÀrt, wo der Hase im Pfeffer liegt auf dem deutschen Strommarkt.

Die Strompreise sind zu hoch!

Deutschland hĂ€lt derzeit einen traurigen Rekord. Den fĂŒr die höchsten Strompreise in Europa und sogar weltweit. 😬 Dies liegt an den hohen Abgaben und Steuern, die den Löwenanteil der Energiepreise ausmachen. Eines ist klar: Sauberer Strom muss viel gĂŒnstiger werden! Nur wenn grĂŒne Energie auch gĂŒnstig und fĂŒr alle bezahlbar ist, kann sie eine echte Alternative gegenĂŒber klimaschĂ€dlichen fossilen Brennstoffen sein. Verbraucher*innen sollten nicht zwischen sauberer Energie und einem gĂŒnstigen Tarif entscheiden mĂŒssen. Das erleichtert die Entscheidung zum Umstieg auf saubere Energie und fĂŒr mehr Klimaschutz.

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Deutschland hÀlt den Rekord mit den höchsten Strompreisen weltweit. Strompreis in USD pro KWh. Quelle: Statista.de


Preisschlacht um Kund*innen mit harten Bandagen

Doch noch etwas lĂ€uft falsch auf dem deutschen Energiemarkt. Es gibt große Unterschiede zwischen "Wechslern" und "Nichtwechslern". Haushalte, die aktiv den Stromtarif oder Energieanbieter wechseln, zahlen oft deutlich weniger als alle anderen. Viele der Billigangebote auf dem Markt mit hohen Bonuszahlungen können jedoch nur bestehen, weil sie von den treuen Bestandskund*innen dieser Anbieter “mitfinanziert” werden. Diese verlustbringenden Lockangebote gaukeln einen konkurrenzorientierten Markt vor, doch in Wahrheit hemmen sie hĂ€ufig einen echten Wettbewerb.

Die unfaire Masche mit billigen Lockangeboten

BehĂ€bige Konzerne, die oft noch auf Energie aus schmutzigen fossilen Brennstoffen setzen, dominieren den Energiemarkt. Sie setzen auf die WechseltrĂ€gheit ihrer Bestandskund*innen, um Profit zu machen. Sie binden Kund*innen mit langen Laufzeiten sowie unflexiblen VertrĂ€gen und werben mit unrentabel hohen Rabatten fĂŒr Neukund*innen. Diese mĂŒssen leider oft die treuen Bestandskund*innen finanzieren, durch große Preiserhöhungen in den Folgejahren. Einige Anbieter haben sich schon so verzockt in der Preisschlacht, dass sie pleite gingen. Das Nachsehen hatten die Verbraucher*innen.

Sind hohe Energiepreise gut fĂŒr die Umwelt?

Stromkonsum (insbesondere ein hoher Stromverbrauch) wurde viele Jahre als umweltschĂ€dlich angesehen. In der Vergangenheit wurde ElektrizitĂ€t oftmals durch Verbrennung von Kohle oder Gas gewonnen und trug daher erheblich zum CO2-Ausstoß, zur schlechten LuftqualitĂ€t und zum Klimawandel bei. Daher argumentierte man, es sei sinnvoll, den Strompreis kĂŒnstlich zu erhöhen, um die Menschen zu motivieren, weniger davon zu verbrauchen.

Seit den Neunzigerjahren sind die CO2-Emissionen in Deutschland pro produzierter Stromeinheit jedoch um fast 50% gesunken (von 764 auf 401 Gramm CO2 pro Kilowattstunde, so das Umweltbundesamt). Dieser Trend wird sich fortsetzen, da der Kohleausstieg in den kommenden Jahren in Kraft tritt und der Anteil erneuerbarer Energien weiter zunimmt.

🏭 Kann ein hoher Stromkonsum gut fĂŒr die Umwelt sein?

Der Strommix in Deutschland ist leider noch lange nicht komplett "sauber". Jedoch kann Strom zunehmend positive Auswirkungen auf die Umwelt haben, vor allem dann, wenn er fossile Brennstoffe ersetzt, etwa beim Heizen oder im (privaten) Personenverkehr. Das Ersetzen von Diesel- und Benzinfahrzeugen durch Elektroautos oder Heizöl durch elektrisch angetriebene Technologien wie WÀrmepumpen ist nicht nur umweltfreundlich, sondern wird zudem praktischer und erschwinglicher, wenn diese Technologien in die Massenproduktion gehen.

Gleichzeitig mit der Reduzierung der Emissionen aus der Stromerzeugung, die bereits in vollem Gange ist, mĂŒssen wir die Umstellung auf ElektrizitĂ€t im Personenverkehr und beim Heizen in Privathaushalten beschleunigen. Sobald wir ein grĂ¶ĂŸtenteils emissionsfreies Stromnetz haben, sollten wir auch schon kurz davor sein, die Bereiche Heizen und Verkehr komplett zu elektrifizieren. Es gibt viel zu tun, lasst uns so bald wie möglich anfangen!

Macht Strom billiger, und zwar schnell!

Wenn wir mehr Strom verbrauchen sollen, um die CO2-Emissionen einzudĂ€mmen, wie schaffen wir das möglichst schnell? Ganz einfach: Wir machen Strom fĂŒr alle so schnell so bezahlbar wie möglich.

Viele unnötige Steuern auf Energie

‍Viele aus unserer Sicht unnötige Steuern auf Energie kamen im Laufe der Jahre auf. Am einfachsten wĂ€re es, diese zu streichen, um die Stromrechnungen der Deutschen deutlich zu senken. Wir sehen keinen Grund, warum diese Abgaben nicht durch Mittel aus allgemeinen Steuertöpfen ersetzt werden könnten.‍

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💾 Stromsteuer: erste unnötige Abgabe

6,4% der durchschnittlichen Rechnung von deutschen Stromkund*innen entfallen auf die Stromsteuer (Stand Januar 2021, Quelle BDEW). Diese Steuer dient keinem anderen Zweck als der Geldbeschaffung fĂŒr den Staat.‍

💾 Konzessionsabgabe: zweite unnötige Abgabe

5,2% des Strompreises fĂŒr Privathaushalte entfĂ€llt auf diese Abgabe. Dieses Geld wird an die Kommunen fĂŒr das Recht gezahlt, unterirdisch Kabel zu verlegen. Wie bei der Stromsteuer ist es nicht erforderlich, dass diese Steuer auf Energierechnungen auftaucht, zumal den Kommunen ohnehin keine direkten Kosten entstehen, durch das “Genehmigen” des ElektrizitĂ€tstransfers.

💾 Verschiedene kleinere Abgaben (auch unnötig)

Weitere vier Abgaben, die anderweitig finanziert werden könnten und sollten, tauchen auf den Energierechnungen auf. Sie machen knappe 4% des gesamten Strompreises aus.
Diese Abgaben sind

  • die Offshore-Netzumlage
  • die KWKG-Umlage
  • die Umlage fĂŒr abschaltbare Lasten und die
  • Umlage fĂŒr stromintensive Betriebe (§ 19 StromNEV-Umlage).

Die letztgenannte Abgabe wird von vielen als besonders unfair angesehen. Es handelt sich um eine staatliche Subvention fĂŒr große Unternehmen, die durch diese Umlage von privaten Haushalten finanziert wird.

💰 KĂŒnstlich aufgeblasene Energiepreise

Stromzahler wĂŒrden einiges sparen, wĂŒrden alle unnötigen Abgaben entfallen. Abgesehen davon, dass es keinen zwingenden Grund gibt, sie zu erheben, sind sie teils sogar direkt umweltschĂ€dlich. Warum? Nun, weil sie durch kĂŒnstliches Aufblasen der Energiepreise klimafreundliche elektrische Lösungen im Bereich Heizen und Verkehr preislich weniger attraktiv machen.

Keiner spricht ĂŒber die Crux mit der EEG-Umlage

‍Was wĂ€re, wenn es einen Weg gĂ€be, mehr Projekte fĂŒr erneuerbare Energien zu pushen, und gleichzeitig die Haushalte davon abzuhalten, ihren CO2-Fußabdruck zu verkleinern? 👣 Nun, genau das ist mit der EEG-Umlage (Erneuerbare-Energie-Gesetz-Umlage) passiert. Sie finanzierte den Boom bei erneuerbaren Energien in den letzten 15 Jahren, insbesondere fĂŒr vergleichsweise teuren Solarstrom Ende der 2000er Jahre. Heute macht diese Abgabe gut ein FĂŒnftel des Strompreises aus.

Da das durch die EEG-Umlage eingenommene Geld bereits fĂŒr Projekte im Bereich erneuerbare Energien verplant wurde, wĂ€re es schwierig, sie nun zu streichen. Die Regierung hat kleine Änderungen vorgenommen, durch welche die Abgabe in den nĂ€chsten Jahren ein wenig reduziert wird. Dies ist zwar ein guter Anfang, wird jedoch im Jahr 2022 die Rechnung fĂŒr Kund*innen um nur wenige Prozentpunkte schmĂ€lern. Weitere Anpassungen sind daher nötig.‍

âšĄđŸŽïž Wir brauchen einen Turbo fĂŒr Elektrofahrzeuge und klimafreundliches Heizen

‍Zu lange hat die Energiepolitik in Deutschland die Privathaushalte weitgehend ausgeklammert und sich auf Energieerzeugung und den Netzausbau konzentriert. Das muss sich Ă€ndern.
Die Regierung sollte einsehen, dass es

  • ökologisch sinnvoll ist, Haushalten einen Anreiz zu geben, mehr Strom zu verbrauchen, und
  • es an der Zeit ist, den Strompreis nachhaltig und drastisch zu senken.

Gut umgesetzt wird das den Weg weiter ebnen fĂŒr Elektrofahrzeuge und klimafreundliche Heizsysteme.

Titelbild: 
© Amy Elting

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