Energierevolution jetzt! Unsere Forderungen an die neue Bundesregierung

Energierevolution jetzt! Unsere Forderungen an die neue Bundesregierung

Deutschland braucht keine müde Energiewende, sondern eine richtige Energierevolution!

Ein Energiemanifest für Deutschland

Es gibt zwei Gründe, warum wir Octopus Energy gegründet haben:

🌍💪 Der Kampf gegen den immer rascher voranschreitenden Klimawandel und der Einsatz für Fairness und soziale Gerechtigkeit. Diese Ziele stehen im Mittelpunkt unseres Tuns.

Der grüne Wandel kann – und sollte – so gestaltet werden, dass die Interessen der Bürger*innen Vorrang haben vor den Interessen der Energieunternehmen. Allzu oft hören wir von Haushalten, die es sich nicht leisten können, ihre Häuser im Winter warm zu halten und deren Lebensstandard leidet, weil sie in überteuerten Energieverträgen gefangen sind. Viele wissen gar nicht, dass sie ihren Energieanbieter frei wählen können.

Gleichzeitig wird diesen Menschen gesagt, dass die Energiewende teuer sein wird; dass mehr Investitionen erforderlich sind, um den Energiesektor zu modernisieren, und dass deshalb der Energiepreis immer weiter steigen wird.

So muss es nicht sein.

Jeder hat ein Recht auf billige, saubere Energie. Und wir werden nicht bis 2035 oder 2050 warten, um sie zu liefern. Wir glauben, dass eine positive Wende schon jetzt stattfinden kann und haben unsere Vision in Form eines Energiemanifests für 2021 formuliert. Es enthält jene unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen mit den größten positiven Auswirkungen – sowohl für Energieverbraucher*innen, als auch für den Kampf gegen den Klimawandel.

Wo die neue Bundesregierung jetzt handeln muss:

💰 Energiebepreisung
🤖 Technologieförderung
🙋 Verbraucherschutz
⚖ Smartere Regulierung

Hier sind die Forderungen im Detail:

1. ENERGIEBEPREISUNG

🔶 Strom muss zum günstigsten Energieträger für alle Verwendungszwecke im Haushalt werden 🔶

💰 Strom muss die kostengünstigste Energiequelle für Haushalte werden, etwa beim Heizen und beim Personenverkehr. Elektrizität ist in diesen Bereichen schon heute CO2-ärmer als der Einsatz fossiler Brennstoffe, und ihr CO2-Fußabdruck wird jedes Jahr kleiner. Daher ist es auch ökologisch sinnvoll, dass Strom zur günstigsten Alternative wird. So sollte beispielsweise der Betrieb eines Elektroautos pro Kilometer deutlich sparsamer sein als der eines entsprechenden Benzin- oder Dieselfahrzeugs, und das Heizen im Haus mit einer Wärmepumpe pro Wärmeeinheit weniger kosten als mit einem Gas- oder Ölheizkessel.

Ganze 51,4 % des Strompreises machen staatliche Abgaben und Steuern aus. Quelle: BDEW, Stand Juni 2021

Das muss jetzt getan werden:

🔷 Die EEG-Umlage auf Haushaltsstrom rasch auslaufen lassen

Derzeit macht die EEG-Umlage ganze 20,4 % des Preises einer Kilowattstunde Strom aus, das entspricht 6,5 Cent (Quelle: BDEW, Stand Juni 2021). Bis Ende 2023 sollte sie auf Null sinken. Die Kosten sollten entweder über Steuern auf fossile Energieträger (z.B. die ab 01.01.2021 eingeführte CO2-Bepreisung von Gas) oder über allgemeine Steuern gedeckt werden.

🔷 Die Stromsteuer abschaffen

Derzeit entfallen 6,4 % der Kosten für eine Kilowattstunde auf die Stromsteuer, was etwa 2 Cent entspricht. Sie dient keinem anderen Zweck als der künstlichen Verteuerung des Stroms. (Dies war sinnvoll, als der meiste Strom mit schmutzigen fossilen Brennstoffen erzeugt wurde: Höhere Preise hielten vom Verbrauch ab. In einer Zukunft, in der der Großteil unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen stammt, macht dies keinen Sinn). Die entgangenen Steuereinnahmen sollten in der allgemeinen Besteuerung aufgefangen werden.

🔷 Alle weiteren Abgaben und Steuern auf Strom abschaffen

Zahlreiche weitere Abgaben verkomplizieren die Rechnungen der Verbraucher*innen und verursachen unnötige Kosten in den Prozessen der Energieunternehmen. (Lies im Blogpost zur Strompreiszusammensetzung mehr dazu). Bis 2025 sollten Stromrechnungen nur noch aus direkten Kosten bestehen, d. h. aus Rohstoffkosten, Netzentgelten, Lieferantenkosten und der Mehrwertsteuer. Durch diese Maßnahmen würden die Stromrechnungen um 35,4 Prozent gesenkt, was einem durchschnittlichen Haushalt in Deutschland eine Ersparnis von knapp 350 Euro jährlich einbringen würde (Durchschnittshaushalt, Jahresverbrauch von 3.000 kWh und Ø Strompreisen vom Juni 2021).

Bürger*innen werden in neue Technologien investieren müssen, zum Beispiel, wenn sie von einem Verbrenner auf ein Elektrofahrzeug wechseln oder ihre alte Ölheizung ersetzen.

Wenn man den Menschen zusichern kann, dass Ökostrom langfristig für niedrigere Betriebskosten sorgt, kann die Entscheidung für den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf Strom schneller und leichter gefällt werden.

Wenn die Investitionen der Haushalte im Zuge der Elektrifizierung angekurbelt werden können, dann hat das nicht nur positive Klimaeffekte zur Folge, sondern setzt auch wirtschaftliche Impulse.

2. TECHNOLOGIEFÖRDERUNG

🔶Wir müssen die Einführung von Technologien beschleunigen, die der Energiewende den Weg ebnen 🔶

🤓 Intelligente Anwendungen können helfen, den Energieverbrauch zu optimieren, etwa durch die Identifizierung von Energieeinsparpotenzialen oder es ermöglichen, Strom gezielt dann zu nutzen, wenn ein Überschuss im Netz besteht und die Preise niedrig sind.

Dennoch werden Haushalte aktuell von der Nutzung intelligenter Energietechnologie abgeschreckt. Menschen, die ihren Verbrauch in Echtzeit steuern wollen, haben dazu wenig Anreiz, da mit dem Einbau intelligenter Zähler (Smart Meter) deutlich höhere Messgebühren fällig werden.

Zudem liegt die Steuerung abschaltbarer Verbrauchseinrichtungen, wie Wärmepumpen und Wallboxen, aktuell allein bei den Netzbetreibern, die es aber verpassen, deren eigentliches Potenzial herauszuholen und deren Flexibilität zu optimieren. Die finanziellen Vorteile für Endverbraucher*innen sind zudem schwer zu kommunizieren, da jeder Netzbetreiber unterschiedliche Entgeltsätze definiert und damit wenig Transparenz herrscht.

Wir müssen sofort aufhören, der Anwendung smarter Energietechnologie-Lösungen Steine in den Weg zu legen.

Das muss jetzt getan werden:

🔷 Die Kosten für intelligente Zähler gerecht verteilen

Anstatt dass jeder Einzelne für einen Smart Meter extra bezahlt, sollten wir diese über die Netzentgelte finanzieren. Die Kosten für die Geräte würden somit auf alle Verbraucherinnen und Verbraucher umgelegt, aber aufgrund der im Punkt 1 beschriebenen Senkung von Steuern und Abgaben wären die Stromrechnungen auch ohne die positiven Auswirkungen eines effizienten Energiemanagements immer noch niedriger als heute. Die Bereitstellung eines intelligenten Zählers kostet heute etwa 60 bis 100 Euro pro Jahr, also deutlich weniger als die unter Punkt 1 genannten knapp 350 Euro Einsparung.

🔷 Einheitliche und transparente Anreize dafür schaffen, den Stromverbrauch intelligent zu optimieren

Es sollte nicht den Netzbetreibern überlassen bleiben, über vergünstigte Netzentgelte für steuerbare Lasten zu bestimmen. Zunächst sollten diese Entgelte deutschlandweit vereinheitlicht werden. Haushalte, die mittels marktorientierter, dynamischer Tarife ihren Stromverbrauch optimieren und so das Netz entlasten, sollten einheitlich und transparent finanziell davon profitieren.

🔷 Andere gewichtige Hindernisse bei der Einführung intelligenter Energietechnologien identifizieren und beseitigen

Regierung und Regulierungsbehörden müssen sich nun auf den Smart-Meter-Rollout fokussieren anstatt zu versuchen, vorherzusagen, welche Technologien oder Kundenservices sich künftig daraus ergeben könnten. Die Regierung muss sicherstellen, dass Firmen im Zuge des Rollouts Raum für echte Innovationen bekommen und diese nicht von einer voreingenommenen Perspektive auf künftige Entwicklungen eingeschränkt werden.

3. VERBRAUCHERSCHUTZ

🔶 Endverbraucher*innen müssen besser geschützt werden und mehr Planungssicherheit erhalten 🔶

Konsumentinnen und Konsumenten müssen der Energiewende und auch den Energielieferanten selbst vertrauen können. Energieversorgern kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Zu lange wurden Endkund*innen bei den Veränderungen auf dem Energiemarkt vernachlässigt. Trotz der Änderung des Energiegesetzes im Jahr 2021 ist es Energieunternehmen immer noch erlaubt, Kunden automatisch an längere Vertragslaufzeiten zu binden, wenn sie nicht rechtzeitig aktiv kündigen. Der Billigstromanbieter BEV hatte sich zum Beispiel dermaßen verzockt in Sachen Preisspirale und Bonuszahlungen, dass es 2019 zur Pleite kam und die Haushalte den Großteil der Kosten zu tragen hatten. Wir brauchen einen noch besseren Verbraucherschutz und müssen den massiv verbraucherfeindlichen Geschäftsgebahren auf dem Energiemarkt einen Riegel vorschieben.

Das muss jetzt getan werden:

🔷 Die automatische Vertragsverlängerung mit Vertragsbindung verbieten und garantieren, dass nach Ablauf der vertraglichen Bindungsfrist der Anbieter gewechselt werden kann.

Jeder Haushalt sollte nach Ablauf der ursprünglichen Bindungsfrist an einen Anbieter jederzeit den Versorger wechseln können. Selbst wenn jemand seinen Vertrag kündigt, gibt es heute keine Garantie, dass die Kündigung rechtzeitig bearbeitet wird. Einige Unternehmen nutzen Verzögerungen bei der Bearbeitung als Vorwand, um die Haushalte für weitere zwölf Monate an ihren Vertrag zu binden. Dies sollte nicht zulässig sein: Der Wunsch zu wechseln sollte respektiert werden, unabhängig davon, wie lange es dauert, bis der Wechselprozess hinter den Kulissen abgeschlossen ist. Verträge mit automatischer Verlängerung sollten keine Vertragsbindung haben.

🔷 Eine Preisobergrenze für die teuersten Tarife einführen

Wir sind der Meinung, dass die Haushalte nicht mehr als die Kosten für die Versorgung plus einen festen Betrag (etwa 15 Euro pro Monat) zahlen sollten. Dieser Ansatz zum Schutz vor überteuerten Strompreisen wurde im Vereinigten Königreich angewandt und hat den Haushalten weit über eine Milliarde Pfund pro Jahr eingespart (Quelle Reuters Artikel). Mehr zur Preisdeckelung auf der Website der Regulierungsbehörde.

🔷Preisvergleichsseiten verpflichten, den Durchschnittspreis über die gesamte Vertragslaufzeit anzugeben und Anbieter auf dieser Grundlage zu ranken

Heute werden auf Strompreisvergleichsportalen einige Tarife auf Grundlage der durchschnittlichen Zahlung im ersten Vertragsjahr eingestuft, auch wenn der Kunde für mehrere Jahre und zu einem viel höheren Durchschnittspreis gebunden ist. Einige skrupellose Energieunternehmen nutzen diese Taktik, um Haushalten glauben zu machen, sie bekämen ein sehr günstiges Angebot - während sie in Wirklichkeit möglicherweise mehr zahlen, als wenn sie beim lokalen Grundversorger Energie zum Basistarif beziehen würden.

4. SMARTERE REGULIERUNG

🔶 Gesetzgeber und Behörden müssen besser informiert sein 🔶

Bessere Informationen sorgen für richtigere Entscheidungen im Energiemarkt der Zukunft, insbesondere wenn es um den Verbraucherschutz und die Umsetzung des grünen Wandels geht.

Wir müssen dem Gesetzgeber und staatlichen Organen die Daten an die Hand geben, die zeigen, wie wir technologiegestützt Klimaneutralität erreichen und den Verbraucherinnen und Verbrauchern gleichzeitig Vorteile bieten können. Gute Daten erleichtern allen Beteiligten im Sinne des Gemeinwohls zusammenzuarbeiten, indem sie einen offenen Dialog und eine effektive Kommunikation möglich machen.

Das muss jetzt getan werden:

🔷 Eine einzige Aufsichtsbehörde schaffen, die den Verbraucherschutz im Energiesektor in die Hand nimmt.

Dieses Aufsichtsamt sollte die Befugnis eingeräumt werden, relevante Daten von den Energieversorgern einzuholen, gewisse Regeln für diese festzulegen und Energieunternehmen, die sich nicht an die Regeln halten, mit Geldstrafen zu belegen. Sie sollte beispielsweise Informationen über die Anzahl der Beschwerden gegen die einzelnen Energieversorger sammeln und veröffentlichen, um den Verbrauchern zu helfen, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Derzeit gibt es mindestens sieben Organisationen, die in irgendeiner Form für den Verbraucherschutz zuständig sind. Eine einzige und durchsetzungstarke Aufsichtsbehörde würde Verantwortlichkeiten deutlich machen und zweifelhafte Praktiken im Energiesektor unterbinden können.

🔷 Die Energieversorger verpflichten, zusammenfassende Abrechnungen zu veröffentlichen, die eine detaillierte Aufschlüsselung ihrer Betriebskosten enthalten.

Das Format sollte ähnlich sein wie die im Vereinigten Königreich von der Regulierungsbehörde Ofgem erhobenen konsolidierten Segmentberichterstattungen. Diese Daten werden öffentlichen Stellen einen viel besseren Einblick in die Kosten des Betriebs von Energieunternehmen geben, was bei der Ausarbeitung neuer Vorschriften von unschätzbarem Wert ist.

🔷 Die Netzbetreiber verpflichten, regelmäßig Daten über die Verbreitung von digitalen und intelligenten Zählern zu veröffentlichen.

Dies wird die Einführung intelligenter Zähler transparenter machen und es ermöglichen, bewährte Verfahren zu identifizieren und zu propagieren.

FAZIT: Mehr Ehrgeiz für eine bessere Zukunft

Wir sind überzeugt davon, dass die hier dargelegten Empfehlungen dazu beitragen können, Energie besser zu machen: besser fürs Klima und besser für die Menschen. Diese Maßnahmen können schnell umgesetzt werden, viele davon mit sehr geringem Kostenaufwand.

„Es ist nicht ausreichend viel passiert“.
Angela Merkel, scheidende Bundeskanzlerin zum Thema Klimapolitik

Unserer Meinung nach muss die nächste Regierung sowohl beim Klima- als auch beim Verbraucherschutz viel mehr Ehrgeiz an den Tag legen. Die Energiewende reicht nicht mehr aus: Wir brauchen eine Energierevolution.

Das komplette Manifest zum Herunterladen als PDF findest du hier.

Andrew Mack, CEO von Octopus Energy Germany

Über den Autor:
Andrew Mack, CEO von Octopus Energy Germany. Der gebürtige Brite und Energieexperte setzt sich für eine klima- und verbraucherfreundliche Energiepolitik ein.

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